| Märtyrerinnen
von der Drina Dienerinnen Gottes s. M. Jula Ivaniševiæ, s. M. Berchmana Leidenix, s. M. Krizina Bojanc, s. M. Antonija Fabjan, s. M. Bernadeta Banja |
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Die seligen Töchter der göttlichen LiebeDer 14. Jänner 2011
war ein Freudentag für die Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe.
Blitzgeschwind verbreitete sich die Nachricht von Rom aus quer durch die
ganze Kongregation in alle unsere Klöster bis nach San Diego im fernen
Westen, nach Poltawa in der Ukraine, unsere östlichste Niederlassung,
nach Greifswald im hohen Norden der österreichischen Provinz und in die
ugandischen Missionsstationen nahe am Äquator. Die feierliche Seligsprechung der Dienerinnen Gottes Sr. M. Jula (Kata Ivaniševiæ),
Sr. M. Bernadeta (Teresia Banja), Sr. M. Krizina (Josefa Bojanc), Sr.
M. Antonija (Josefa Fabjan) Professschwestern der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe, ermordet wegen ihres Glaubens in Bosnien und Herzegowina zwischen dem 15. und dem 23. Dezember 1941, wird am 24. September 2011 in Sarajevo stattfinden. Die Kongregation
Zu den jungen Frauen, die ein Obdach, Essen, Ausbildung brauchten, kamen bald Kinder, die in Not geraten waren, kleine Mädchen, die in einer Heimgruppe Aufnahme fanden. Die arbeitswilligen Dienstmädchen lernten in der Marienanstalt nicht nur die Arbeiten, die ein bürgerlicher Stadthaushalt verlangte, sie erhielten auch Unterricht in den Grundkulturtechniken, damals keineswegs selbstverständlich, und in Religion und Anstandslehre. Dann wurden sie an einen Haushalt vermittelt und kamen in ihrer Freizeit, den kargen Sonntagnachmittagen, zu den berufsbegleitenden Programmen, die die Schwestern anboten. Bald waren Begabte und Fleißige unter ihnen als hochqualifizierte Herrschaftsköchinnen, Zofen, Bonnen gefragt. Schon nach kurzer Zeit wurden die nächsten Marienanstalten ins Leben gerufen, 1870 in Troppau, in Brünn, dann in Budapest. 1873 kam das Zufluchtshaus zum hl. Josef in Breitenfurt bei Wien dazu, zunächst ein Heim für dienstuntaugliche Mägde, damals unversichert und ohne Einkommen, bald auch ein Heim für die kranken, später auch die alten Schwestern. 1880 kam die Marienanstalt in Prag dazu. In Österreich bot
ab 1880 das Kloster Maria Loretto im schönen Kärntner Lavanttal Berufsbildung
für Frauen und Grundschulbildung und Erziehung für Kinder. Die drückende Raumnot im ersten Mutterhaus führte zur Gründung des Herz Mariä Klosters in Wien-Währing, seit 1885 bis heute ein Schulzentrum für die Jüngeren. Im gleichen Jahr entstand die erste Niederlassung in Polen, der viele folgen sollten. 1888 schließlich wurde das nunmehrige Mutterhaus in der Jacquingasse, Wien 3, gekauft und mit dem Bau der schönen kleinen Kirche dort, heute Sitz der Pfarre „An der Muttergotteskirche“, erfüllte sich für Mutter Franziska ein Lebenstraum. 1913 wagten sich die Schwestern der Kongregation über die Grenzen der Monarchie hinaus in die USA, 1914, knapp vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, nach England, schließlich 1920 nach Brasilien. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Monarchie faltete sich die Kongregation in selbständige Provinzen auf. Wir danken Gott dafür, dass es nicht zu einem Zerfall gekommen ist, sondern, über alle Entfernungen, auch über die langen Jahre der äußeren Trennung durch den Eisernen Vorhang, hinweg, zu einer bunten, toleranten, lebenssprühenden Einheit. Heute bemühen sich 1162 (Stand 1. Oktober 2010) Töchter der göttlichen Liebe in insgesamt 15 Sprachen, darunter Ketschua und Runyankore, in 12 Provinzen in 19 Ländern Gottes Liebe sichtbar zu machen. Sarajevo
Von April bis Juni 1882 lebte die Gründerin selbst, teils unter abenteuerlichen Umständen, in Sarajevo, baute und schuf Raum für Institut, Schule und Waisenhaus und sorgte für die materielle Unterstützung durch eine Landwirtschaft. Sie beobachtete Zeit ihres Lebens das Wachstum dieses Herzensprojektes in allen seinen Filialen mit besonderer Zuneigung und mit Stolz. Die Präparandie, die Bildungsanstalt für Lehrerinnen, ebenso wie alle anderen dort geführten Schulen, leistete bahnbrechende Pionierarbeit in der Frauenbildung. Alle unsere Schulen und Einrichtungen standen Kindern aller Gruppierungen, Katholiken, Orthodoxen und Muslimen gleichermaßen zur Verfügung. Heute führt die Erzdiözese Sarajevo, mit reger Mitarbeit der Schwestern, in unserem Haus dort die „Europaschule“, ein Schulzentrum mit Internat für Jugendliche aller Nationalitäten und Bekenntnisse. Pale
Sehr bald war die Hilfsbereitschaft und Güte der Schwestern unter der armen Bevölkerung weitum bekannt. Der kroatische Priester Anto Bakoviæ schreibt: „Das Marienheim wurde bald berühmt für die Freundlichkeit, Gutherzigkeit und die guten Werke der Schwestern. Sie öffneten ihre Herzen und halfen den Bedürftigen, den Kranken und den Unglücklichen, ohne je nach ihrer Religion zu fragen. Keiner, der je an die Klostertore klopfte, nicht die unmittelbaren Nachbarn, Orthodoxe, noch irgendjemand sonst in Not, wurde mit leeren Händen weggeschickt.“ Der Konvent im Marienheim in Pale
Schwester Berchmana wurde in Kinderpflege ausgebildet und unterrichtete auch kurze Zeit an der Schule der Marienanstalt. Im Besitz von drei Diplomen wurde sie Ende 1883 nach Sarajevo versetzt. Sie erlernte die kroatische Sprache sehr schnell und sehr gut und legte erfolgreich Zulassungsprüfungen zum Unterricht an deutschsprachigen Schulen in insgesamt 14 Fächern ab. Sie unterrichtete in Sarajevo, Tuzla, Breške und in Pale. Auch in der Kinderkrankenpflege war sie tätig.
Man nannte sie die „Türkenschwester“, als sie in Breške bei Tuzla jede Gelegenheit wahrnahm, die Kinder der Türken ebenso wie alle anderen gut zu betreuen, wenn sie krank waren. Sie ließ aber auch keine Gelegenheit aus, diese Kinder Schreiben und Lesen zu lehren. Hier müssen wir bedenken, dass damals, Ende des 19. Jahrhunderts, in Bosnien auf dem Land, ein Mensch, der Lesen und Schreiben konnte, eine unerhörte Sensation war, bemerkt Bakoviæ, ein profunder Kenner der Materie. Als sie 1923, nach der Schließung der deutschsprachigen Schulen mit dem Zerfall der Monarchie, nach Pale versetzt wurde, gab Sr. Berchmana dort neben anderen Arbeiten katholischen, orthodoxen, muslimischen und jüdischen Kindern Privatunterricht in der deutschen Sprache. Unter den serbisch-orthodoxen Einwohnern von Pale war sie in den letzten Jahren ihres Lebens als die „Mutter der Serben“ bekannt, weil sie ihnen so viel Gutes tat und die Orthodoxen nie anders behandelte als die Katholiken. Während des Ersten Weltkrieges hatte Sr. Berchmana im Lazarett in Višegrad gepflegt, alle mit der gleichen Hingabe und Selbstlosigkeit, ob Soldaten der Österreich-Ungarischen oder der serbischen Armee. Sie erntete dafür viel Anerkennung und Lob, auch Auszeichnungen. Die Österreicher ebenso wie die Serben nannten sie die „Mutter der Soldaten“. Gerade sie konnte sich nicht vorstellen, dass die orthodoxen Serben ihr etwas Böses antun würden. Sie lehnte eine Evakuierung der Schwestern ab. Sie hatten niemandem etwas Böses getan und das Gute, das sie getan hatten, galt allen Menschen, den Katholiken und den Serben gleichermaßen.
Sie arbeitete in den landwirtschaftlichen Betrieben der Schwestern in Josipovac bei Tuzla, dann in Bethanien bei Sarajevo. Dann pflegte sie viele Jahre lang kranke Kinder im Staatlichen Pflegeheim in Zagreb, ehe sie schließlich mit dem Amt der Oberin in Pale betraut wurde. Schwester Jula übte 17 Jahre lang in verschiedenen Gemeinschaften den Dienst der Leitung aus. Die Schwestern sagen, dass sie als Oberin sehr vernünftig und gerecht, liebevoll und verständnisvoll war. Sie war sehr einsatzfreudig und immer bereit, den anderen irgendwelche Gefälligkeiten zu erweisen. Den Armen war sie eine Mutter, sie bemühte sich ihnen zu helfen und die Traurigen zu trösten. Sie tat allen Menschen Gutes, besonders den orthodoxen Nachbarn. Aus dem Kreis ihrer Geschwister und deren Familien stammen 9 Töchter der göttlichen Liebe. Man spricht von ihrer beispielhaften Fürsorge und Liebenswürdigkeit, von ihrer Frömmigkeit, von ihrer schönen Singstimme und von ihrer Fröhlichkeit. „Wo sie war, war Spaß und Lachen.“
Schwester Krizina war verständnisvoll und liebevoll gegen die jungen Schwestern, denen sie öfters die schwere Arbeit in der Landwirtschaft ersparte oder ihnen dabei half. Die Erfahrung des Leidens und der Schutzlosigkeit in ihrer Kindheit nach dem frühen Todes ihrer Eltern, war wohl die Grundlage ihres fürsorglichen, opferbereiten, umsichtigen und praktischen, vor allem sanftmütigen Charakters. Schwestern erinnern sich an ihre große Liebe zur Gottesmutter, die sie vor allen Marienfeiertagen durch private Novenen ehrte. Sie nahm jede Gelegenheit wahr, ihren Mitschwestern Hilfe und Beistand zu leisten, zögerte auch nicht, sie auf Fehler aufmerksam zu machen, was ihrer allgemeinen Beliebtheit keinen Abbruch tat.
Nach ihrem Eintritt ins Kloster berichtete Sr. Antonija ihrer Tante in vielen Briefen, wie glücklich und zufrieden sie im Kloster war. Man spricht von ihrer fleißigen und einsatzfreudigen Arbeit in Haus und Garten und Stall. Schwester Antonija entwickelte sich zu sich zu einer gehorsamen und demütigen jungen Ordensfrau. Sie war mit kleinen Dingen zufrieden, selbstlos, gefällig und dem Willen Gottes ganz ergeben. Sie zeigte sich sehr gewissenhaft in der Arbeit auf dem Feld, im Garten und im Haus. Sie beklagte sich nie über die anstrengende Arbeit, sie beklagte sich überhaupt nicht. Schon von der frühen Jugendzeit an war ihr Lebensmotto: Wenn jemand dir etwas Böses tut, vergilt ihm mit Gutem.
Als junge Ordensfrau arbeitete sie in der Klosterküche. Unter den damaligen Bedingungen war die Arbeit in der Küche sehr schwer und anstrengend. Sr. Bernadeta zeigte sich als gutmütige, liebevolle, geduldige und opferbereite junge Ordensfrau. Sie setzte alle ihre Kräfte für das Wohl der andern ein. Die junge Sr. Bernadeta war für alle ein Vorbild der Gottergebenheit einer Ordensfrau und der gewissenhaften Pflichterfüllung. Nie sah man ihr an, dass irgendeine Arbeit ihr schwer fiel. Sie liebte die Musik und sie sang die ganze Zeit, beim Kochen, beim Servieren, beim Saubermachen, religiöse Lieder zum Lob Gottes. Sie war fleißig und
unermüdlich bei der Arbeit, immer bereit und fröhlich. Der Bürgerkrieg in OstbosnienIm April 1941, nach der Kapitulation des Königreiches Jugoslawien, wurde der Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen, der auch das Gebiet von ganz Bosnien und Herzegowina umfasste. Dagegen rebellierte die aufgehetzte serbische Bevölkerung der Region. Der Bürgerkrieg brach aus. Die Volksgruppen standen einander feindlich gegenüber, Nation gegen Nation, Religion gegen Religion, Dorf gegen Dorf, Mann gegen Mann, Bruder gegen Bruder, in einem Land, in dem es so viele Mischehen zwischen den Religionen und Nationen gab, in dem die Menschen seit Jahrhunderten friedlich zusammengelebt hatten. Die Tschetniks, eine paramilitärische Gruppe roher, grausamer, verwilderter Kämpfer, überzog das Land mit Feuer, Raub und Mord. Während die Angehörigen der serbischen Volksgruppe unbelästigt in ihren Häusern verblieben, waren die Muslime und die Katholiken Opfer der ethnischen Säuberung, die sich die Tschetniks zum Ziel gesetzt hatten. Im Herbst hatte die Welle der Unruhe auch die Gegend von Pale erreicht. Kein Tag, keine Nacht ohne Schüsse, ringsum in den Wäldern formten sich die Horden der wilden Tschetniks, während der junge Staat des Unabhängigen Jugoslawien nicht in der Lage war, seinen Bürgern Schutz zu bieten. Immer näher, rund um das Kloster in Pale, wurden Tschetniks sichtbar, groß gewachsen, schmutzig, mit langem Bart und der schwarzen Pelzmütze über den Augenbrauen. Sie hatten ihren Patronengurt über die Schulter geschlungen und spielten mit ihren langen, glänzenden Mordmessern. Kein Katholik, kein Moslem, keine Zivilist, keine Frau, kein Kind war vor ihnen sicher. Trotz mehrfacher besorgter
Aufforderungen der Provinzoberin Sr. M. Lujsa Rajf hatten die Schwestern
gezögert, den exponierten Außenposten Pale zu verlassen und sich nach
Sarajevo ins Provinzhaus zu flüchten. Sie konnten sich nicht vorstellen,
dass ihnen, den gut integrierten, allseits beliebten und hilfreichen Schwestern,
irgendjemand Böses zufügen würde, oder dass die Nachbarn das zulassen
würden. Sie wollten ihre tapfer ausharrenden Landsleute nicht verlassen
und gerade in diesen Notzeiten mit ihrer menschlichen Nähe, mit Vorräten
und Kenntnissen, weiterhin zur Verfügung stehen. Das verlassene Haus wäre
eine allzu leichte Beute für herum streifende Marodeure gewesen. Der ÜberfallAm 10. Dezember 1941 war viel Schnee gefallen. Die ersten Kanonenschüsse waren gegen Mittag zu hören, dann Gewehre und Maschinenpistolen ganz nahe am Kloster. Am späteren Nachmittag war der Klostergrund ein Schlachtfeld. Zahllose Granaten explodierten. Mit wildem Geschrei näherten sich die Horden dem Kloster. Vier Schwestern waren im Haus. Sr. Krizina, Sr. Antonija und Sr. Bernadeta eilten ins Dachgeschoss, um den Hausgeistlichen, den slowenischen Priester Franc Ksaver Meško, um die Absolution zu bitten. Sie ließen sich auch von seinem Zureden nicht ablenken. Schon platzte der Anführer in den Raum. Wie Meško ihn beschreibt, ein etwa vierzigjähriger, sehr dünner, sehr blasser Mann mit schwarzem Bart, ruhelos und nervös. Mit Kolbenstößen und der wiederholten Drohung zu schießen trieb er die Bewohner des Hauses zusammen. Die 76jährige Sr. Berchmana wurde aus ihrem Zimmer gezerrt. Sie trug Hausschuhe. Sr. Jula, die Hausoberin, kam gerade von einer Besorgung zurück und hatte die Vorgänge aus dem Nachbarhaus beobachtet. Sie machte keinen Gebrauch von der Möglichkeit zu fliehen, sondern schickte nur den Hausdiener, der sie begleitet hatte, in den Wald. Er konnte sich tatsächlich retten und lebte noch viele Jahre. Sr. Jula aber gesellte sich zu ihren Mitschwestern. Die Gruppe wurde bei bitterer Kälte in Hauskleidung abgeführt. Sofort nachdem die Gefangenen das Haus verlassen hatten, setzte die Plünderung ein. Sie dauerte 12 Stunden und war gründlich. Nichts, was auch nur den geringsten Wert hatte, blieb zurück. Lebensmittel, Wintervorräte, Möbel, Türen und Fensterläden, drei Schweine und zwei Kühe; was die Männer übrigließen, holten die Frauen, die sich wartend vor dem Haus versammelt hatten. Um vier Uhr früh, als das Haus völlig kahl und leer stand, wurde Feuer gelegt und alle Gebäude brannten bis zu den Grundmauern nieder. Drei volle Tage loderten die Flammen und die dicke schwarze Rauchsäule konnte man noch in Sarajevo sehen.
Sobald nur irgend möglich kamen Schwestern aus dem Provinzhaus, um im Auftrag der Provinzoberin nach den Mitschwestern zu sehen. Vergeblich! Keiner wusste mehr, als dass man sie an einen unbekannten Ort verbracht hatte. Unter den Trümmern der verbrannten Kapelle fanden sie den verschlossenen Speisekelch mit 5 deutlich erkennbaren verkohlten Hostien, heute eine kostbare Ikone der Hingabe in der gewachsenen Spiritualität der Töchter der göttlichen Liebe. Der Weg über das Gebirge„In bitterer Kälte und von krankhaftem Hass begleitet“, schreibt der Priester Anto Banjovic, mussten die Schwestern die tief verschneiten Bergpfade von Pale nach Goražde zurücklegen. Die Entfernung beträgt etwa 65 Kilometer. Die Temperaturen lagen zwischen minus 20 und minus 25 Grad. Sr. Berchmana, 76 Jahre alt, trug Hausschuhe. Sie wurde von ihren jungen Mitschwestern gestützt und fast getragen. Am dritten Tag des Kreuzwegs blieb sie, unfähig weiter zu gehen, in Sjetlina zurück, wo man einen Schlitten für sie auftreiben wollte. Es kam zu mehreren Als-Ob-Verhören, Vorgängen, die jeder Gerechtigkeit und aller Umgangsformen bar waren. In Sjetlina schließlich kam es zu einer ernsthaften Anklage vor einem Gericht, das aus regionalen Führern bestand. Man warf den Schwestern vor, über ein verborgenes Telefon Nachrichten über die Bewegungen der Tschetniks an den Feind weitergegeben zu haben. Nicht einmal die gründliche Plünderung des Hauses hatte ein Telefon zutage gebracht. Die zweite Anklage war, dass die Schwestern sich den feindlichen Ustascha Soldaten prostituiert hätten. Das allerdings wollte man ihnen vergeben, wenn sie sich zu gleichen Diensten für die Tschetniks bereitfänden. Damit war für die Schwestern jede Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang des Verfahrens verloren. Nach fünf Tagen, am späten Nachmittag des 15. Dezember, kamen die Gefangenen in Goražde an und wurden in der dortigen Kaserne, in einem Raum im dritten Geschoß mit Fenstern, die zum nahen Drinafluss führten, interniert. Der Priester Anto Bakoviæ ist der Verfasser des Buches „Die Märtyrerinnen von der Drina“, das in kroatischer Sprache abgefasst wurde und von dem je eine italienische, englische, deutsche und polnische Übersetzung existiert. Aus dem Italienischen wurde auch ins Portugiesische und Slowakische übersetzt. Ihm verdanken wir die meisten unserer Informationen über den Tod der Märtyrerinnen. Der damals Zehnjährige, der mit Mutter und Schwestern in der Nähe der Kaserne lebte, war Ohrenzeuge des Martyriums von vieren unserer Mitschwestern. Er erinnert sich an gellende Schmerzens- und Verzweiflungsschreie aus der Kaserne und die gespannte Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Betroffenheit seiner Mutter. Während die Ordensfrauen immer wieder verzweifelt Gott und die Heiligen anriefen, antworteten die wohl betrunkenen Tschetniks mit Flüchen und unwiederholbaren Beschimpfungen. Aus den akustischen Bruchstücken ließ sich klar erkennen, dass die Männer versuchten die Ordensfrauen zu vergewaltigen, während diese sich verzweifelt wehrten. Als man ihnen die Kleider vom Leib riss, ergriffen die Schwestern schließlich die Flucht auf dem einzig möglichen Weg und sprangen durch das Fenster im dritten Geschoß hinunter auf die Straße, wo sie schwer verletzt liegen blieben. Es war nicht der Tod, den sie suchten, es war die einzige Möglichkeit, der Vergewaltigung zu entgehen. Die geschwächten, erschöpften Frauen hatten gegen die Überzahl der gut genährten, betrunkenen Soldaten keine andere Chance. Die erbosten Tschetniks folgten ihnen und töteten sie, die hilflos und verletzt auf der schmutzigen Straße lagen, mit vielen Messerstichen. Danach schleppten sie ihre kaum bekleideten Leichen zum Ufer des Flusses, wo sie bis am nächsten Tag in Eis und gefrorenem Schlamm lagen, von der Bevölkerung der umliegenden Häuser neugierig betrachtet, bis sie vom Totengräber mit Pfosten in die Drina gestoßen und davongetragen wurden, zusammen mit Tausenden von Leichen, die von der Drina in die Save und dann ins Schwarze Meer getrieben wurden. Ihre Ordenskleider waren ihnen vermutlich schon vor dem Sprung vom Leib gerissen worden. Daraus wurden sicher schwarze Tschetnikfahnen hergestellt. Was blieb, nahmen die Tschetnikfrauen an sich. Textilien waren kostbar. Am 23. Dezember wurde Sr. Berchmana, einige Tage allein in Sjetlina zurückgeblieben, in einem Schlitten weggebracht, angeblich nach Goražde zu ihren Mitschwestern, die aber damals schon tot waren. Die Tschetniks, die sie geholt hatten, kamen bald wieder zurück, einer trug ihren Rosenkranz um den Hals. Eine Frau wurde gezwungen, aus dem blutgetränkten Stoff des Ordenskleids eine Tschetnikfahne zu nähen. Das Grab Sr. Berchmanas wurde nicht gefunden, daher ist anzunehmen, dass ihr Leichnam in den Fluss Praèa geworfen wurde, der sie in die Drina trug. Die Seligsprechung der fünf Märtyrerinnen von der Drina wird am 24. September in Sarajevo erfolgen.
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